Traumatherapie - Wenn der Körper Erlebtes nicht vergessen kann
Belastende oder überwältigende Erfahrungen können Spuren hinterlassen – nicht nur in unseren Erinnerungen, sondern auch in unserem Nervensystem. Manche Menschen entwickeln nach einschneidenden Erlebnissen Symptome wie innere Unruhe, Schlafstörungen, Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten oder eine anhaltende Anspannung, obwohl das belastende Ereignis längst vergangen ist.
Aus heutiger Sicht weiß man, dass traumatische Erfahrungen nicht nur psychisch verarbeitet werden, sondern auch die Regulation des Nervensystems beeinflussen können. Der Körper bleibt gewissermaßen in erhöhter Alarmbereitschaft. Traumatherapie verfolgt das Ziel, Sicherheit und Stabilität wiederherzustellen und dem Nervensystem dabei zu helfen, schrittweise in einen Zustand von Ruhe und Selbstregulation zurückzufinden.
Übung: Den Körper als sicheren Ort wahrnehmen
Diese Übung dient dazu, die Aufmerksamkeit sanft auf den gegenwärtigen Moment zu lenken und dem Nervensystem Orientierung zu geben.
Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit und setzen Sie sich bequem hin.
- Spüren Sie bewusst den Kontakt Ihrer Füße mit dem Boden.
- Nehmen Sie wahr, wie Ihr Körper von der Sitzfläche oder dem Stuhl getragen wird.
- Atmen Sie ruhig und ohne Druck ein und etwas länger wieder aus.
- Schauen Sie sich langsam im Raum um und benennen Sie innerlich fünf Dinge, die Sie sehen, vier Dinge, die Sie hören und drei Dinge, die Sie körperlich wahrnehmen.
Es geht dabei nicht darum, etwas zu verändern, sondern den Körper behutsam daran zu erinnern, dass der gegenwärtige Moment sicher ist.
Welche Wirkung kann diese Übung haben?
Orientierungs- und Achtsamkeitsübungen können helfen, das Nervensystem zu stabilisieren und die Aufmerksamkeit aus belastenden Gedanken oder körperlicher Anspannung wieder in die Gegenwart zu lenken. Viele Menschen erleben dadurch mehr innere Ruhe, ein besseres Körpergefühl und das Gefühl, wieder mehr bei sich selbst anzukommen.
Wichtig ist jedoch: Solche Übungen ersetzen keine Traumatherapie. Sie können eine unterstützende Maßnahme sein, sollten jedoch bei schweren oder anhaltenden Beschwerden in einen professionellen therapeutischen Rahmen eingebettet werden.
In unserer Praxis betrachten wir traumatische Belastungen im Zusammenhang mit dem gesamten Menschen. Unser Ziel ist es, Körper und Nervensystem in ihrer natürlichen Regulationsfähigkeit zu unterstützen und individuelle Wege zu mehr Stabilität, Sicherheit und Lebensqualität zu begleiten.
Hinweis: Traumatische Erfahrungen sind sehr individuell. Wenn Übungen unangenehme Gefühle oder Erinnerungen auslösen, unterbrechen Sie diese und suchen Sie professionelle Unterstützung. Traumatherapie sollte stets auf die persönlichen Bedürfnisse und die individuelle Situation abgestimmt sein.


